Ein Bericht von Peter F.
Für uns Kyudoka gehören neben Training und Wettkämpfen auch Seminare und Prüfungen zu den Dingen, die uns auf dem Bogenweg begleiten. Einmal im Jahr ergibt sich dann auch eine besondere Gelegenheit für all jene, die eine höhere Dan-Graduierung anstreben – die internationalen Kyudo Seminare mit anschließender Shinsa.
Dieses Jahr fanden diese Seminare und die Prüfung in Magglingen in der Schweiz statt. Über insgesamt 2 Wochen fanden sich mehr als 620 Kyudoka aus ganz Europa, aber auch aus Übersee in Magglingen ein, um den nächsten Schritt auf dem Bogenweg zu gehen.

Dafür waren aus Japan 4 Sensei angereist, die mit uns ihr Wissen teilten und uns wertvolle Korrekturen gaben. An dieser Stelle schon einmal ein großes Danke an Toba-Sensei, Satake-Sensei, Satô-Sensei und Ôsumi-Sensei für ihre Demonstrationen, ihre Hilfe und die Einblicke in ihren Trainingsalltag.
Für mich war es das erste Seminar und die erste Prüfung dieser Art. Den ersten und zweiten Dan hatte ich, wie viele andere in den letzten Jahren per Video Shinsa abgelegt. Entsprechend gespannt war ich auf das Event in Magglingen.

Direkt von Tag 1 konnten meine beiden Mitstreiter und ich erfahren, wie gut die Schweizer Gastgeber alles organisiert hatten. Von der Registrierung, über die Unterkunft und die Verpflegung bis zur Organisation der Seminartage und der Prüfung blieben keine Fragen offen und alles war sehr klar und unkompliziert. So konnten wir uns voll auf unser Kyudo konzentrieren.
Am ersten Seminartag ging es für uns auch direkt um 8 Uhr los. Bogen und Equip vorbereiten, umziehen und dann wurden das Event mit einer Eröffnungszeremonie eingeleitet. Es war sehr eindrucksvoll die japanischen Sensei zusammen mit den europäischen Sensei Zimmermann und Leopold zu beobachten. Insbesondere die Ruhe, die alle Schützen ausstrahlten, fand ich außergewöhnlich.
Am ersten Seminartag erhielten wir von Satake-Sensei die Korrekturen und konnten uns an die Halle und die Umgebung gewöhnen. Trotz durchgehend hoher Temperaturen um die 32 Grad waren alle Teilnehmer unseres Shajo sehr motiviert und es wurde neben fleißigem Üben auch viel gelacht. Die Atmosphäre war sehr locker, aber dennoch sehr fokussiert.
Mein persönliches Highlight war dann am Abend die Zusammenkunft mit Akemi Satake-Sensei, die uns in einem Vortrag aus ihrem Trainingsalltag und von ihrem Bogenweg berichtete. Dieses Format gab es so das erste Mal bei einem Seminar und ich wünsche mir schon jetzt, dass es auch in den nächsten Seminaren eine Fortsetzung findet. Es war spannend zu hören, wie unterschiedlich der Trainingsalltag sein kann und wie ähnlich aber auch die Herausforderungen auf mentaler und physischer Ebene dann doch wieder sind.
Am Folgetage konnten wir dann auch direkt nochmal einem solchen Vortrag lauschen, diesmal von Masanari Ôsumi-Sensei. Für uns Heki Schützen besonders interessant, da er Shamen-Schütze ist und zudem auch das Kriegsschießen im Stile der Satsuma Heki Ryu ausübt.
Vor diesem Vortrag bekamen wir am zweiten Seminartag von Leopold-Sensei neben Hinweisen zu unserem Schießen auch wertvolle Informationen, was wir beim Taihai beachten sollten.

Tag 3 war dann noch einmal etwas spezieller. Hier konnten wir im Nachmittagsprogramm dann wählen, in welches Dojo wir gehen und welchen Schwerpunkt wir trainieren wollten. Zur Auswahl standen freies Training, Taihai unter Anleitung mit Korrekturen und Schießen mit Korrekturen der japanischen Senseis. Eine super Gelegenheit auch noch einmal Feedback von den Senseis zu erhalten, bei denen wir bisher noch nicht im Seminar vorschießen konnten.

Die Zeit verging wie im Fluge und der Prüfungstag war schneller da als erwartet. Auch hier war wieder alles tadellos organisiert. Das sorgte dann auch dafür, dass wir Kyudoka doch recht entspannt in die Prüfung gehen konnten. Zumindest ging es mir so. Für mich hieß es allerdings auch erst einmal warten. Zunächst fanden die Shodan und Nidan-Prüfungen statt, die wir von der Tribüne aus beobachten konnten. Ich war beeindruckt, wie hoch das Niveau war.
Gegen 13 Uhr konnten meine Mitstreiter und ich uns dann registrieren und dann ging es ganz gemächlich weiter, bis wir dann etwa gegen 14:20 Uhr mit der Prüfung dran waren. Nach den zwei Wartebereichen war es dann soweit. Ich durfte als Omae direkt als erster eintreten und mein Tachi anführen. Ein ungewohntes Gefühl in so einem großen Dojo so viel Raum zur Bewegung zu haben, aber auch eine tolle Atmosphäre.
Die Schritte bis hin zum ersten Aufstehen und Schuss hatte ich aus meiner Sicht ganz passable hinbekommen und war entsprechend ruhig. Dennoch setzte ich meinen ersten Schuss etwa einen Faust breit rechts neben das Mato. Mehr Nobiai dachte ich beim Abknien noch und genau das machte ich dann im zweiten Schuss auch. Der traf dann auch relativ mittig die Scheibe und ich ging mit einem guten Gefühl aus der Prüfung.
Wir traten direkt nach der Prüfung auch schon den Heimweg an, wurden aber von Freunden, die noch etwas länger in Magglingen blieben direkt mit Infos zu den Ergebnissen versorgt. Unsere Ergebnisse standen dann auch schon gegen 18 Uhr etwa fest. Leider hatten meine Mitstreiter ihre Pfeile nicht im Mato unterbringen können und verpassten damit den dritten Dan. Für mich war der Treffer beim zweiten Schuss genug, um mich über den Sandan freuen zu können.
Realisiert habe ich das aber so wirklich erst Tage später. Dafür war die Zeit in Magglingen dann doch zu schön und zu aufregend.

Ich freue mich schon darauf mit vielen Vereinsmitgliedern und Freunden nächstes Jahr nach Frankfurt zu den Prüfungen zu fahren und hoffe, dass es auch weitere Seminare dieser Art geben wird, da ich sie sehr gelungen und hilfreich fand.

Abschließend möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei den japanischen und europäischen Senseis, den Schweizer Organisatoren, den beiden Kyudoshops von Chantik und kyudopfeile und all den fleißigen Helfern bedanken, die dieses Event definitiv unvergesslich gemacht haben.